Archive for the ‘ Movies ’ Category

The Purge – oder die Perversion der Begriffe

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Vorneweg: Auch wenn mir im Nachhinein die ein oder andere kleine Schwäche in The Purge aufgefallen ist, so möchte ich dennoch den Film dringend empfehlen. Nicht nur aus dem Grund, weil ein Streifen m. E. nicht unbedingt akkurat wie ein Uhrwerk ticken muss, um funktionieren zu können (obwohl das natürlich die Hohe Kunst ist und ganz großartig, wenn es gelingt), sondern weil The Purge viel Diskussionsstoff birgt – und, trotz eigentlich „undenkbarem“ Szenario, in vielen Punkten/Themenbereichen nicht allzu weit von der Realität entfernt ist. Gerade was das Element Propaganda angeht.

Zunächst der Plot, da es sich hierbei lediglich um das handelt, was auch der Trailer verrät, noch keine Spoiler-Warnung.

USA im Jahr 2022. Die Arbeitslosenstatistik verzeichnet gerade mal ein Prozent Arbeitsuchender, Verbrechen findet angeblich (so gut wie) nicht mehr statt, Wohlstand und Sicherheit haben flächendeckend Einzug gehalten. Als Grund dafür verkauft uns der Film eine reinigende Freinacht, the Purge, zwölf nächtliche Stunden, in denen jedes begangene Verbrechen ungesühnt bleibt.

Die mediale Verarbeitung des vorgeblich reinigenden gesellschaftlichen Prozesses dieses Fegefeuers findet bereits in der Rahmenhandlung platz. Das Spektakel des Vorjahres stimmt via TV die Bevölkerung auf den „Lockdown“ um 19 Uhr ein.

… hier hören wir im Hintergrund die sanfte Spoiler-Sirene aufheulen und klinken uns bereits hier im Bedarfsfall aus…

Unser Familienvater (Ethan Hawke) gehört offensichtlich der materiell sorglosen Schicht an, er ist Vertreter für Sicherheitsanlagen und schwebt beruflich wie materiell gerade in den Wolken, da The Purge schließlich auch einen jährlich wiederkehrenden Konjukturfaktor darstellt. Weiterlesen

Long live the new flesh!

Hannah Geist blutet

Ein Film, so böse und krank, dass er sofort infiziert. Und doch wunderschön.  „Antiviral träufelt sinnbildlich mit einer Laborpipette einen Tropfen leicht überzogenes Gesellschaftskonzentrat in das Wasser deiner Gedanken. Mit dem Effekt, dass dieser Tropfen sich darin wie in Zeitlupe entrollt, bis er sich in starker Verdünnung vollständig ausgebreitet hat.

Brandon Cronenberg – jep, der Sohn, übrigens bereits 1999 bei Daddys „eXistenZ“ als Special Effect Technician dabei – hat mit „Antiviral“ ein großartiges Meisterwerk abgeliefert. Und das würde ich mich normalerweise nicht einfach so trauen zu behaupten, wenn ich den Film nicht bis zu Ende gesehen habe. Hier fehlen mir noch die letzten 45 (!) Minuten; aus Gründen, die hier allerdings nichts zur Sache tun.

Wer jetzt schreit: „Auf den letzten 45 Minuten kann man es aber immer noch verkacken“, dem antworte ich: Stimmt. Kann man. In diesem Fall bin ich aber davon überzeugt, dass das nicht passieren wird. Passiert ist. Wie auch immer. Der Film ist ein Fest für die Sinne, man kann sich gar nicht sattsehen an diesen wunderbaren Bildern. Hat mich heute extrem beschäftigt, der ganze sicke Plot. Wir befinden uns in einer Gesellschaft, die ihre Celebs komplett ausschlachtet – und damit den Massen die Kohle aus der Tasche zieht. Es ist höchst erfrischend, wie dieses Ausschlachten der Celebs geschieht, denn völlig anders, als man bei der Genrebezeichnung „Horror“ vermuten könnte, werden nicht etwa die Promis selbst zerlegt, sondern beispielsweise Zellenfleischmatten aus ihren Spendermuskelzellen gezüchtet und als Fleisch für glühende Fans zum Verzehr verkauft. Oder es werden den Stars  diverse Krankheiten abgeerntet, modifiziert und dann an Verehrer verscherbelt. Wer richtig Asche hat in dieser Welt, kann sich auch nachgezüchtete Celebrity Skins auf den eigenen Körper plantieren lassen.

Ein grandioser Hauptdarsteller, Caleb Landry Jones, überhaupt fantastische Schauspieler, eine wahnsinns Kamera, ganz ruhig, manchmal fast statisch, keine trendy Handshots weit und breit, eben völlig unaufgeregt, vermengen sich zu einem Bilderrausch mit viel Weiß, auch Schwarz, meist sehr wenig bis keine Farbe. Starke Trennung von Drinnen (steril) und Draußen (sehr schmutzig), je länger der Film ging, desto mehr Reminiszenzen an andere großartige Streifen sind mir in den Kopf geschossen, es hat nur so geschillert… Die Hauptfigur Syd March ist sozusagen ein aufstrebender Geschäftsmann, der seinen Job nutzt, um nebenher eigene Geschäfte zu machen – und dabei in eine Situation gerät, bei der es um Leben und Tod geht. Und mehr sag ich jetzt einfach nicht.

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The Raid – Martial Arts at its best … aus Indonesien!

Wer hätte das gedacht, dass einer der besten Actionfilme der vergangenen Jahre ausgerechnet aus (Achtung) Indonesien kommt. „The Raid – Redemption“, geschrieben vom Waliser Gareth Huw Evans, der auch Regie geführt hat, wurde gestern auf unserem heimischen Sofa fast schon frenetisch beklatscht als die längst überfällige Renaissance des asiatischen Kampffilmgenres. [Trailer] Und  Kampf ist genau das, worum es vorrangig geht. Die Story… ist zugegebenermaßen recht einfach gestrickt. Macht aber gar nichts, der Streifen hat herausragende andere Qualitäten.

Wir befinden uns in den Slums von Jakarta, eine Gruppe waffenstarrender Polizisten bahnt sich ihren Weg in ein 15-geschossiges Appartement-Hochhaus. Der Grund dafür: Im 15. Stock sitzt ein gefürchteter Drogenbaron, den es der Justiz zu überantworten gilt. Das ist natürlich nicht so leicht, zumal die Bewohner des Hochhauses ebenfalls ausgezeichnet mit Waffen aller Art ausgestattet sind und zudem keinerlei Lust verspüren, sich aus dem Weg räumen zu lassen. Schnell wird die Lage für das SWAT-Team ziemlich prekär, es entspinnt sich eine Art ultrablutiger Indoor-Kriegsfilm.

Die Kampfszenen sind unglaublich gut. Keine Schnörkel, kein ästhetisches Rumgetue seitens der Kämpfer. Eben echter Kampf, so wie er halt aussieht (und das ist nicht schön). Für die Ästhetik der Bilder sorgen dagegen die hervorragende Kamera und ein Schnitt, der preisverdächtig ist. Insgesamt glänzt der Film durch die Auffallende Absenz von großartiger Effekthascherei. Die Soundeffekte sind toll, keine Frage, aber eben nicht übertrieben. Visuelle Effekte sind selten, dann aber wirklich beeindruckend. Und die ständige Gegenüberstellung von Schusswaffen und Klingen – ein Fest.

Fazit: unbedingte Empfehlung. Keine Mätzchen, keine lange Wartezeit bis es losgeht; genau so muss es sein. Einziger Malus: Könnte sein, dass einen hinterher nur noch Evans Actionfilme begeistern werden, weil alles andere als langweiliger Aufguss abstinkt. Der Titel von Evans nächstem Projekt: Berandal. I’m desperately waiting…

Noch eine Empfehlung: Wir haben uns – als Vorfilm sozusagen – die Claycatsversion (Lee Hardcastle) von The Raid reingezogen. Ob ihr den jetzt vorher, hinterher oder an einem anderen Tag anschaut, is mir egal. Aber tut es bitte. 

Wieviel Boycott macht Sinn?

ehemaliges Rotebeeterisotto mit Pesto

Bei meinem allmorgendlichen Kaffee-Parcours durch die online-Nachrichten streife ich auch ab und zu die örtliche Tagespublikation. So auch heute. Ich erfuhr unter anderem, dass für den 1. März 2012 zu einem Tankboycott aufgrund der hohen Benzinpreise aufgerufen wird. Meine ersten Gedanken: Was für ein Blödsinn, dann tanken halt am 2. März doppelt so viele – außerdem trifft es doch eh nicht die, die man eigentlich treffen will, sondern die Tankstellenpächter, die ja bekanntermaßen kämpfen müssen und via Getränke, Tabak und Convenience-Food (und auch: schlechte Löhne für ihre Angestellten) ihr Auskommen gerade mal so sichern.

Und da kam mir ein anderer Boycott in den Sinn, über den mich Freund Fritz in seinem Blog informiert hatte, der schwarze März 2012,  der auf einen Monat Konsumverweigerung in puncto Medien (physisch und digital) setzt, um eine deutlich sichtbare Delle in der Umsatzkurve zu generieren.

Ist es da nicht das gleiche Spiel? Sind da nicht auch die Falschen die Leidtragenden? Kleine Kioskbesitzer beispielsweise, kleine Programmkinos, Miniverlage, Bands… Vielleicht sollte man eher überlegen, wirklich nur konkret die großen Medienkonzerne von der persönlichen Ausgabenliste zu streichen. Setzt natürlich voraus, dass man sich informiert. Einfacher ist da sicherlich – wenn man schon am März-Boycott teilnehmen will – einfach gar nichts zu kaufen und hinterher wie gehabt weiter zu machen. Aber macht das Sinn?

Ich meine nein. Ich befürchte sowieso, dass die Delle nicht mal besonders groß ausfallen wird; Ich glaube, dass nur eine dauerhafte Verhaltensänderung, was Konsum generell angeht, überhaupt etwas bewirken kann. Wenig Fleischverzehr, dafür aber besseres Fleisch kaufen (wenn man nicht drauf verzichten will oder kann), kein Gemüse aus Ländern, die nachweislich die Richtlinien und Beschränkungen für den Einsatz von Giften mit Füßen treten, Konsumverweigerung auf einer größeren Ebene, hinter der die Frage steht: Brauche ich das wirklich, oder schmeiße ich es Übermorgen wieder weg?

Oder eben man beschließt für sich, dass die Leute, deren Unternehmen und Betriebe bei so einem Boycott eventuell drauf gehen, dann halt eben Pech gehabt haben. Falsches Betätigungsfeld gesucht, mit den falschen Branchen in Verhandlung, tja.

Aber halt, ich hab hier noch einen interessanten Vorschlag gefunden: Bunter März statt Schwarzer März. Carsten Dobschat schlägt folgendes vor:

Warum also nicht statt dem „Schwarzen März“ einen „Bunten März der Neuentdeckungen“ veranstalten? Statt zu boykottieren einfach mal neues entdecken! Schaut Euch mal abseits der Kaufempfehlungen bei Amazon und iTunes um, schaut  Euch doch mal bei Jamendo nach freier Musik um! Schaut mal abseits der bekannten Pfade nach neuen Büchern, neuer Musik… guckt mal, was so an Konzerten in kleinen Läden bei Euch in der Nähe stattfindet und geht einfach mal auf gut Glück auf ein Konzert! Sucht bei Google mal nach Bands aus Euerer Umgebung, wer weiss wie viele grandiose Musiker sich praktisch direkt vor Eurer Haustür den Arsch abspielen, ohne dass Ihr davon etwas mitbekommen habt? Wann wart Ihr das letzte Mal bei einem Konzert einer Band, die Ihr vorher nicht kanntet? Klar, man kann dabei echt daneben liegen, aber es kann auch mal ein echter Volltreffer dabei sein.

Seine Idee geht noch weiter (das Lesen des gesamten Blogeintrags lohnt sich) und ich finde den Vorschlag ausgezeichnet. Und das beste ist, er lässt sich nicht nur mühelos mit einem Medienboycott der Unterhaltungsriesen verbinden, man kann diese Vorgehensweise auch auf längere Zeit ausdehnen.

Und im Bezug auf den Tankboycott, was wäre denn da eine gute Alternative? Überprüfen, ob man nicht auch ohne Auto klarkommt, logo, das schon mal auf jeden Fall. Weitere Vorschläge? Was haltet ihr überhaupt von den beiden Boycotts, können ja auch zwei verschiedene Meinungen dazu sein.

ACTA ad acta? Jetzt erst recht zur Demo!

Habt ihr’s schon gelesen/gehört: Vorerst wird ACTA nicht unterzeichnet. Was mich an diesem Satz stört, ist das VORERST. Ein Kommentator bei Heise online hat geschrieben: „nicht auf die Nebelkerze von Schwarz-Geld reinfallen“. Und er spricht mir damit aus tiefster Seele. Keinen Millimeter kann man denen über den Weg trauen. Deshalb: TROTZDEM morgen zur Demo! Wer noch immer nicht weiß wo: HIER.

 

Endlich: Iron Sky – Offizieller Trailer

Nach langem warten – und unzähligen Teasern – hier nun endlich der neue und höchst offizielle Trailer zum ultimativen Nazi-Sci-Fi Spektakel des Jahres überhaupt! Vorhang auf:

[via]

Informationen zu ACTA: Worum geht’s? Was ist daran problematisch?

Ich habe mal ein paar informative Links zum Thema ACTA zusammengestellt. Zunächst ein paar Links zu Artikeln, die meines Erachtens ganz gut erklären, worum es eigentlich geht. Anschließend noch Informationen zu geplanten Aktionen zum Mitmachen und auch noch Links zu Reaktionen/Wortmeldungen aus der Politik.

  • HIER der Beitrag von Copyright-Fachmann Fritz auf seinem eigenen Blog 11k2, der es dankenswerter Weise immer wieder schafft, komplizierte Sachverhalte anschaulich zu erklären.
  • Anonymous News Site mit Aufruf zu Paperstorm und Demotag am 11. Februar: HIER.
  • Hervorzuheben ist m. E. auch die Berichterstattung dazu auf netzpolitik.org, beispielsweise HIER, HIER oder auch HIER.
  • Die im Nachtmagazin-Beitrag (zweites HIER Zeile drüber) erwähnte digitale Gesellschaft hat auf ihrer Website einen sehr umfangreichen Flyer zu ACTA, HIER.
  • Und auch die ARD hat auf meta.tagesschau.de ein FAQ zu ACTA erstellt. HIER.
  • Selbstverständlich haben die Augsburger Piraten bereits was organisiert, die Infos dazu gibt’s HIER. Da gibt’s auch noch haufenweise weiterführende Links.
  • Und auch Die Grünen sind gegen ACTA. HIER.
  • Wer es lieber mit bewegten Bildern und vorgelesen hat, HIER der Link zum entsprechenden Youtube-Video.

Auch das gibt es, Justizministerin Frau Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, eigentlich m. E. eine eher ungewöhnliche Person für ein FDP-Mitglied, hat interessanterweise keinerlei Bedenken, was ACTA angeht. HIER nachzulesen. Hm. Unerschütterlichster rosa-Brille-Idealismus? Dabei weiß doch gerade Sie, dass Verfassungsrecht und dergleichen gerne von ihren Parlamentskollegen zugunsten von kommerziellen Interessen auf den Opfertisch geschnallt werden… völlig unverständlich für mich. [via fefe]

Und HIER, sehr interessant, schreibt die slovenische Botschafterin in Japan (in englischer Sprache), warum sie ACTA unterzeichnet hat. Ich muss sagen: Hut ab vor so einer Politikerin, die sich traut, einen Fehler einzugestehen und gleichzeitig offenlegt, wie es dazu kam, welchen Zwängen und Umständen sie unterlag und welche Fehleinschätzungen sie gemacht hat.

Zitat:

I signed ACTA out of civic carelessness, because I did not pay enough attention. Quite simply, I did not clearly connect the agreement I had been instructed to sign with the agreement that, according to my own civic conviction, limits and withholds the freedom of engagement on the largest and most significant network in human history, and thus limits particularly the future of our children. [auch via fefe]

So, ich denke, damit ist klar, warum wir alle gegen ACTA sein sollten. Macht alle mit, kommt zur Demo am 11. 2. 2012, verteilt Flyer, und vor allem: Sprecht mit den Menschen! Auch wenn die Gefahr besteht, ungewollt als Träumer, Hippie, linker Phantast oder sonstwas dazustehen – scheißegal, diese Abqualifizierungen sind nicht wichtig, und auch die politische Richtung, die einem unterstellt wird oder der man zugeordnet wird, sind nicht wichtig! Wichtig sind nur Inhalte. Und den Inhalt des ACTA-Abkommens kann die Mehrheit nicht wollen, auch nicht die damit einhergehende, äußerst gefährliche Blockwartmentalität „Wer nichts zu verbergen hat, kann auch nichts gegen totale Überwachung  haben“! Das ist perfide und zynisch!

Ach ja, Eure Meinungen sind wie immer willkommen.