Archive for the ‘ Medien ’ Category

The Stanley Parable

Wenn die Leser dieses Blogs auf mich hören und mir vertrauen würden, würde ich nur schreiben „The Stanley Parable. Knapp 12 Euro. Bei Steam. Kaufen. Spielen. Jetzt“. Und ich würde da sitzen und auf den Dank in den Kommentaren warten… doch leider funktioniert das so nicht. Vor allem weiß ich gar nicht, ob die hiesige Stammleserschaft überhaupt ein Interesse an Videospielen, deren Mechaniken, Indie Games oder Spielen als Kunstform hat. Zeit, das herauszufinden.

„The Stanley Parable ist eine Erforschung von Handlung, von Spielen und von Wahl. Wenn man davon absieht, dass die Handlung egal ist, es sich vielleicht nicht einmal um ein Spiel handelt, und falls du jemals tatsächlich eine Wahl haben solltest, nun, lass mich wissen wie du das geschafft hast.“

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The Purge – oder die Perversion der Begriffe

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Vorneweg: Auch wenn mir im Nachhinein die ein oder andere kleine Schwäche in The Purge aufgefallen ist, so möchte ich dennoch den Film dringend empfehlen. Nicht nur aus dem Grund, weil ein Streifen m. E. nicht unbedingt akkurat wie ein Uhrwerk ticken muss, um funktionieren zu können (obwohl das natürlich die Hohe Kunst ist und ganz großartig, wenn es gelingt), sondern weil The Purge viel Diskussionsstoff birgt – und, trotz eigentlich „undenkbarem“ Szenario, in vielen Punkten/Themenbereichen nicht allzu weit von der Realität entfernt ist. Gerade was das Element Propaganda angeht.

Zunächst der Plot, da es sich hierbei lediglich um das handelt, was auch der Trailer verrät, noch keine Spoiler-Warnung.

USA im Jahr 2022. Die Arbeitslosenstatistik verzeichnet gerade mal ein Prozent Arbeitsuchender, Verbrechen findet angeblich (so gut wie) nicht mehr statt, Wohlstand und Sicherheit haben flächendeckend Einzug gehalten. Als Grund dafür verkauft uns der Film eine reinigende Freinacht, the Purge, zwölf nächtliche Stunden, in denen jedes begangene Verbrechen ungesühnt bleibt.

Die mediale Verarbeitung des vorgeblich reinigenden gesellschaftlichen Prozesses dieses Fegefeuers findet bereits in der Rahmenhandlung platz. Das Spektakel des Vorjahres stimmt via TV die Bevölkerung auf den „Lockdown“ um 19 Uhr ein.

… hier hören wir im Hintergrund die sanfte Spoiler-Sirene aufheulen und klinken uns bereits hier im Bedarfsfall aus…

Unser Familienvater (Ethan Hawke) gehört offensichtlich der materiell sorglosen Schicht an, er ist Vertreter für Sicherheitsanlagen und schwebt beruflich wie materiell gerade in den Wolken, da The Purge schließlich auch einen jährlich wiederkehrenden Konjukturfaktor darstellt. Weiterlesen

Von Idealismus, Kultur und der Schwierigkeit, genau zu kommunizieren

Kulturgate Augsburg
Augsburg hatte sein kleines „Kulturgate“. Bemerkt? Vermutlich nicht, denn wirklich viel ist davon nicht an eine breitere Öffentlichkeit gelangt. Und das ist auch gut so. Denn bereits in zwei Wochen oder auch in dreien, werden hoffentlich alle herzlich lachen darüber, wie die Gemüter übergeschäumt sind, der Ton schärfer wurde und plötzlich alles irgendwie persönlich war. Alle, bis auf einen. Der sollte in sich gehen und sein Verhalten nochmal überdenken. Auch ohne Namensnennung wird derjenige wissen, dass er gemeint ist. Doch zurück zum Anfang.

Am Anfang stand die Kultur. „Wir wollen eine Kulturveranstaltung machen, wir machen es selber.“ Das war der Tenor zu Beginn. Es wurden Augsburger Künstler akquiriert, die für die Bestückung der Ausstellungsräume oder auch für die Visuals während der musikalischen Darbietungen sorgen sollten. Und bereits hier tauchte offenbar das erste Problem auf, denn aus dem „Wir selber“ war mittlerweile ein “Wir – mit Unterstützung der SPD“ geworden. Eventuell war dieser Übergang für die Veranstalter so logisch vollzogen worden (vermutlich stellte man fest, dass man eine derartige Veranstaltung schlicht finanziell nicht selbst stemmen kann und bekam ein diesbezügliches Angebot aus der Ortsgruppe Ulrich der Augsburger SPD), dass einfach vergessen wurde, den Künstlern dieses Detail mitzuteilen.

Das wiederum führte dazu, dass die Künstler, die von dieser Tatsache erst durch den Flyer vor der Nase unterrichtet wurden, verärgert waren. Zurecht. Es ist ein Unterschied, ob man seine Kunst in den Dienst der Kultur oder in den Dienst der Partei-gesponserten Kultur stellt. Diese Tatsache wurde wiederum von Veranstalterseite geleugnet, es sei eben KEINE Parteiveranstaltung der SPD, die SPD zahle lediglich die Miete. Weiterlesen

Lesetipp: Kathrin Hartmann „Wir müssen leider draußen bleiben“

Vergangene Woche bin ich über ein Interview mit Kathrin Hartmann gestolpert, Autorin des erst kürzlich erschienenen Sachbuchs „Wir müssen leider draußen bleiben – Die neue Armut in der Konsumgesellschaft“. Das Interview hat mir derart gut gefallen – kein Mangel an klaren Worten, kein um den heißen Brei rumreden, mit dem Verweis, dass alles im Buch steht und hier nicht zuviel verraten werden soll – dass ich mir das Buch sofort bestellt habe. Und nach der Abholung hat es zwei Tage gedauert, dann war ich durch.

Ja, ich hab’s im wahrsten Sinne des Wortes verschlungen. Die Methode, mit der Hartmann vorgeht, ist sehr wissenschaftlich. Sie belegt alles, hat stets vor Ort recherchiert (auch wenn vor Ort Bangladesch hieß) und vermeidet konsequent zu schnelle Schlüsse, auch wenn man ihre nagenden Zweifel durchaus merkt. Dass dann am Ende doch bestätigt wird, was viele von uns bereits recht schrumifumi im Hinterkopf geahnt oder sogar bewusst befürchtet haben, ist schlimm. Aber es ist dennoch notwendig, derlei Entwicklungen von all dem PR-Müll der Konzerne zu befreien und als klare Aussagen hinzustellen. Das tut Hartmann, indem sie nicht nur ihre eigenen Rechercheergebnisse darlegt, sondern auch die Erkenntnisse anderer zum gleichen oder zu angrenzenden/überlappenden Themen mit einflicht.

Die Kapiteleinteilung macht bereits deutlich: Hier versucht jemand, einen Überblick zugeben, und zwar einen vergleichenden, globalen, der alle Auswirkungen des konsumgesellschaftlichen Tuns aufzeigen möchte. Meines Erachtens gelingt Kathrin Hartmann das sehr gut. Über Ausgrenzung und die Kultivierung von Mythen, die den Hass gegen eine – wie auch immer geartete – Unterschicht schüren, schlägt sie den Bogen über die deutschen Tafeln zur Getrifizierung (und Supergentrifizierung), um sich dann den Reichen zuzuwenden. Sie zeigt viele viele Beispiele auf, wie sich die Reichen bereits in eine Parallelwelt verabschiedet haben, wie sie die Medien (bis auf sehr wenige Ausnahmen) auf ihre Seite ziehen und auch der bereits bekannte große Einfluß auf die Politik findet Raum. Zu guter letzt entlarvt sie noch sogenannte Sociual Businesses als das was sie sind: ganz normale profitstrebende (und somit moralfreie) Konzerne, die sich lediglich eine neue Art der PR ausgedacht haben. Und diese PR funktioniert. Denn sie beruhigt Gewissen auf der einen Seite und gleichzeitig ist der Aussagegehalt für uns alle nicht wirklich nachprüfbar. Siehe Hartmanns Suche nach der sozialen Joghurtfabrik in Bagladesch von Danone in Kooperation mit Muhammad Yunus (zu diesem – unfassbarerweise – Friedensnobelpreisträger erfährt man so einiges im Buch, das einem die Fremdschamesröte auf die Wangen treibt, so übel ist sein Tun. Man möchte nicht mehr Mensch sein). Yunus gilt als Erfinder der Mikrokredite, ein Instrument, mit dem die Ärmsten der Armen in eine unentrinnbare Schuldenfalle getrieben werden – während Reiche Spekulanten dadurch noch reicher werden.

Mein Fazit: Eine unbedingte Buch-Empfehlung. Es macht wütend, und ich hoffe wirklich, dass dieses Buch möglichst viele Menschen lesen. Liest sich so spannend wie ein Krimi, die Sprache ist unterhaltsam und schafft es doch, der Ernsthaftigkeit des Themas gerecht zu werden. Eigentlich hatte ich an ganz vielen Stellen im Buch eher den Eindruck, einen sehr gut geschriebenen Blogeintrag zu lesen, so kurzweilig war die Lektüre. Und aufregend, im Wortsinn. An einer Stelle schreibt Hartmann mal: „Man möchte schreien.“ Das kann ich bestätigen. Mehrfach knäuelte sich eine recht massive Wutkugel in meinem Bauch zusammen. So kann, so darf es nicht weitergehen. Wir können nicht weiterhin die Mär vom faulen Hartzer, der der Gesellschaft ganz schlimm auf der Tasche liegt aufrecht erhalten. Genauso wie uns doch klar sein muss, wie faul die Ausrede der „faulen Südländer mit mediterranem Verhältnis zum Geld“ ist. Wir können auch nicht länger so tun, als hätte deren Treiben nichts mit uns zu tun. Wir müssen uns wehren! und auch aktiv gegen diesen Wust an Vorurteilen vorgehen. Da hat Hartmann völlig Recht und spricht mir aus der Seele.

Einen Kritikpunkt habe ich aber doch, allerdings geht der nicht an Hartmann selbst, sondern ans Lektorat des Blessing Verlags: Ich hätte gerne den Preis des Buches auf 20 Euro aufgerundet gezahlt, wenn es dafür nen ordentlichen Lektor gegeben hätte. Fast auf jeder Seite mindestens ein Fehler. Doof.

Schwarze Milch der Frühe…

ausgebrannte Mülltonne

Codex Alimentarius. Schon mal gehört? Ich kannte den Begriff nicht, ist mir nie untergekommen, allerdings habe ich im Studium die Neueste Geschichte nie besonders tiefgründig erkundet, war ja auch nur zweites Nebenfach. Trotzdem, ein Fehler, wie mir jetzt scheint. Denn dahinter scheint sich eine der größten Schweinereien EVER zu verbergen.

Ich erspar euch jetzt die Geschichte, über welche Umwege ich auf den Codex Alimentarius (C.A.) gestoßen bin, ich fange lieber gleich damit an, was sich hinter diesem Namen verbirgt.

Es handelt sich dabei um eine – mittlerweile wohl mehr als 5000 Seiten starke – Textsammlung, die von um die 20 verschiedenen (an manchen Stellen ist von 27 die Rede), sogenannten Expertenkommissionen laufend erweitert wird. Der Inhalt ist schon nicht mehr so einfach zu beschreiben, offiziell haben sich hier die WHO und die FAO zusammengetan und diese Expertenkommission gebildet, um internationale Standards in puncto Lebensmittelsicherheit und Produktqualität festzulegen. Schaut man beispielsweise auf der Website des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BmELV) nach, so erfährt man:

„Die Standards des Codex Alimentarius sind nicht rechtlich verbindlich. Ihre besondere Bedeutung haben sie durch ein internationales Abkommen im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) erlangt, gemäß dem sie als Referenz im internationalen Handel gelten und seitdem sie in den im Rahmen der WTO völkerrechtlich verbindlich geschaffenen Streitbeilegungsverfahren bei Handelskonflikten eine maßgebliche Rolle spielen.“

Hä, wie jetzt? Sind rechtlich nicht verbindlich… aber dann haben sie irgendwie doch besondere Bedeutung, und zwar durch ein internationales Abkommen im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) – also ist der Codex doch bindend, oder was?

Interessanterweise findet man beim BmELV keinerlei Textauszüge oder ähnliches, schon gar nicht auf deutsch (angeblich gibt es Teile auf Englisch, Spanisch, Französisch und Arabisch), lediglich eine Mitgliederliste (die aber dann nur das jeweilig zuständige Amt ausweist), ein Link zu häufig gestellten Fragen (in englischer Sprache! und nur verlogenes Blabla) sowie die Weiterleitung zum Beitrittsbeschluss Weiterlesen

Wieviel Boycott macht Sinn?

ehemaliges Rotebeeterisotto mit Pesto

Bei meinem allmorgendlichen Kaffee-Parcours durch die online-Nachrichten streife ich auch ab und zu die örtliche Tagespublikation. So auch heute. Ich erfuhr unter anderem, dass für den 1. März 2012 zu einem Tankboycott aufgrund der hohen Benzinpreise aufgerufen wird. Meine ersten Gedanken: Was für ein Blödsinn, dann tanken halt am 2. März doppelt so viele – außerdem trifft es doch eh nicht die, die man eigentlich treffen will, sondern die Tankstellenpächter, die ja bekanntermaßen kämpfen müssen und via Getränke, Tabak und Convenience-Food (und auch: schlechte Löhne für ihre Angestellten) ihr Auskommen gerade mal so sichern.

Und da kam mir ein anderer Boycott in den Sinn, über den mich Freund Fritz in seinem Blog informiert hatte, der schwarze März 2012,  der auf einen Monat Konsumverweigerung in puncto Medien (physisch und digital) setzt, um eine deutlich sichtbare Delle in der Umsatzkurve zu generieren.

Ist es da nicht das gleiche Spiel? Sind da nicht auch die Falschen die Leidtragenden? Kleine Kioskbesitzer beispielsweise, kleine Programmkinos, Miniverlage, Bands… Vielleicht sollte man eher überlegen, wirklich nur konkret die großen Medienkonzerne von der persönlichen Ausgabenliste zu streichen. Setzt natürlich voraus, dass man sich informiert. Einfacher ist da sicherlich – wenn man schon am März-Boycott teilnehmen will – einfach gar nichts zu kaufen und hinterher wie gehabt weiter zu machen. Aber macht das Sinn?

Ich meine nein. Ich befürchte sowieso, dass die Delle nicht mal besonders groß ausfallen wird; Ich glaube, dass nur eine dauerhafte Verhaltensänderung, was Konsum generell angeht, überhaupt etwas bewirken kann. Wenig Fleischverzehr, dafür aber besseres Fleisch kaufen (wenn man nicht drauf verzichten will oder kann), kein Gemüse aus Ländern, die nachweislich die Richtlinien und Beschränkungen für den Einsatz von Giften mit Füßen treten, Konsumverweigerung auf einer größeren Ebene, hinter der die Frage steht: Brauche ich das wirklich, oder schmeiße ich es Übermorgen wieder weg?

Oder eben man beschließt für sich, dass die Leute, deren Unternehmen und Betriebe bei so einem Boycott eventuell drauf gehen, dann halt eben Pech gehabt haben. Falsches Betätigungsfeld gesucht, mit den falschen Branchen in Verhandlung, tja.

Aber halt, ich hab hier noch einen interessanten Vorschlag gefunden: Bunter März statt Schwarzer März. Carsten Dobschat schlägt folgendes vor:

Warum also nicht statt dem „Schwarzen März“ einen „Bunten März der Neuentdeckungen“ veranstalten? Statt zu boykottieren einfach mal neues entdecken! Schaut Euch mal abseits der Kaufempfehlungen bei Amazon und iTunes um, schaut  Euch doch mal bei Jamendo nach freier Musik um! Schaut mal abseits der bekannten Pfade nach neuen Büchern, neuer Musik… guckt mal, was so an Konzerten in kleinen Läden bei Euch in der Nähe stattfindet und geht einfach mal auf gut Glück auf ein Konzert! Sucht bei Google mal nach Bands aus Euerer Umgebung, wer weiss wie viele grandiose Musiker sich praktisch direkt vor Eurer Haustür den Arsch abspielen, ohne dass Ihr davon etwas mitbekommen habt? Wann wart Ihr das letzte Mal bei einem Konzert einer Band, die Ihr vorher nicht kanntet? Klar, man kann dabei echt daneben liegen, aber es kann auch mal ein echter Volltreffer dabei sein.

Seine Idee geht noch weiter (das Lesen des gesamten Blogeintrags lohnt sich) und ich finde den Vorschlag ausgezeichnet. Und das beste ist, er lässt sich nicht nur mühelos mit einem Medienboycott der Unterhaltungsriesen verbinden, man kann diese Vorgehensweise auch auf längere Zeit ausdehnen.

Und im Bezug auf den Tankboycott, was wäre denn da eine gute Alternative? Überprüfen, ob man nicht auch ohne Auto klarkommt, logo, das schon mal auf jeden Fall. Weitere Vorschläge? Was haltet ihr überhaupt von den beiden Boycotts, können ja auch zwei verschiedene Meinungen dazu sein.

Altes Konzept, immer noch scheißcool

Ich würde vorschlagen, man suche sich jemanden, der so ne Grammophonnadel rückwärtslauffähig zurecht schleifen kann. Und dann: stromlos scratchen in the lowestFi possible! Alles andere hält ja kein Handgelenk aus…

Na, wie wär’s, Bloody?

Der Plattenspieler wurde übrigens entworfen und gebaut von Livia Ritthaler. Big up!