Ein trüber, milder Tag – genau das richtige für Gartenarbeit

Heute hat sich mein Gartenprojekt zum ersten Mal dem Begriff „Experiment“ stark angenähert; jedenfalls soweit ich das beurteilen kann. Gestern war der Mond in Erdnähe – ganz scheiße für Aussaat und Pflanzung, sagt zumindest der EINE Mondkalender. Der ANDERE zeigt sich davon völlig unbeeindruckt und empfahl munter die Aussaat von Blühpflanzen für den Samstag, 10. März. Und dieser Widerspruch illustriert sehr schön meine anfängliche Verwirrung, als ich feststellte, dass Mondkalender noch lange nicht Mondkalender ist. Die widersprechen sich teilweise, rechnen anders oder werten die Bedingungen anders.

Der – nach meinem Gefühl – genauere Kalender erklärt mir außerdem, dass Erdnähe (ebenso wie Erdferne, nur ist die angeblich nicht ganz so beschissen) zwölf Stunden lang noch nachwirkt. Vermutlich steht deshalb in eben jenem Kalender auch beim Sonntag, 11. März, also heute (ein Blatttag, Mond in der Jungfrau), auch nix drin. Keine Empfehlung, nichts. Ich hab trotzdem heute was ausgesät, einfach nur um zu schauen, wie sich diese Pflänzchen so entwickeln werden im Vergleich zu den unter optimalen Mondbedingungen gesäten Pflanzen. Butterling und wilde Rauke mussten für diesen Versuch herhalten.

Und da ich nicht so viel von meinem teuren Biosaatgut verschleudern wollte, habe ich mich auf andere Gartenarbeiten gestürzt. Zwei Komposter zusammengesteckt, einer davon wird ja ein richtiger Komposthaufen, da habe ich noch etwa 15 bis 20 Zentimeter tief Erde am Standort ausgehoben. Dann habe ich trockenes Laub, kleinere Ästchen, Erdaushub und Stroh wieder rein getan; laut einem meiner schlauen Bücher soll das ne recht gute Grundlage sein.

Der andere Komposter wird ein Hochbeet, bis zum Spätherbst/Winter kommt da noch ein Aufsatz dazu, um daraus ein kaltes Frühbeet zu machen. Dafür werde ich dann die alten Fenster verwenden, die ich beim Fensteraustausch im Winter 2010 in Sicherheit gebracht habe. Der Aufsatz soll dann abnehmbar sein, die Fenster im 45 Grad Winkel geneigt, so richtig mit Angeln zum Öffnen. An der Südhausmauer werde ich dann im kommenden Jahr bereits im Winter vorziehen können. Yes.

Dann haben wir noch Laub zusammengerecht, das Gartenbeet von Unmengen Laub befreit, das ich als Winterschutz draufgekippt hatte und noch ein paar kälteunempfindliche Pflanzen aus dem Winterquartier geholt und an die Südmauer gestellt.

Ach ja, und dann hab ich noch was gemacht, ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, ob das Wirkung zeigen wird. Folgendes: Mein Garten liegt ja neben einem Schulsportplatz, und wie Kinder so sind, kommen die auf alle möglichen blöden Ideen. Zum Beispiel Müll rüberwerfen. Oder Dinge, die ich dort (versehentlich) liegen hab lassen, sich „ausleihen“. Oder eben Sachen abreißen – is erst einmal passiert, muss ich fairerweise gestehen, aber trotzdem. Ich hab schon hie und da mal Kids aufgefordert, die eben rübergeworfene Flasche (oder was auch immer) zu holen und in den Müll zu werfen. Hat auch immer geklappt, aber neulich habe ich mal wieder eine Lampe-Pommestüte mit halbem Inhalt rausgeklaubt; tags darauf wars ein angebissener Döner. Schön is anders. Also hab ich einen Zettel aufgehängt, in dem ich sie höflich bitte, künftig den Müll gleich in die Tonne zu werfen und meine Pflanzen in Ruhe wachsen und gedeihen zu lassen. Ach ja, und dass ich meine Schere, die sich jemand „ausgeliehen“ hat, wieder zurück haben möchte. Wenn se das einhalten – gute Nachbarschaft. Wenn nicht, dann fühle ich mich leider gezwungen, die Tür zu meinem Garten abzuschließen. Was für die Kids bedeutet, dass sie ihre Bälle, die sie zu mir rüber bolzen, eben nicht mehr SOFORT holen können, sondern warten müssen, bis ich ihnen die Bälle wieder auf den Sportplatz lege.

Ich bin ja mal gespannt, ob das irgendeine Wirkung zeigt. Ich wollte meinen Standpunkt klar machen, klar und deutlich sagen, was mich stört. Und nicht sofort zu einem Lehrer rennen, oder gar zur Schulleitung. Mein Gefühl sagt mir allerdings, dass ich irgendwann die Tür doch zusperre. Abwarten. Falls mir jemand einen Tipp hat, wie man sowas eventuell noch diplomatischer und mit Wirkungsgarantie machen kann: Her mit der Idee.

[UPDATE]:

Ich fasse es nicht, die besagte Schere lag heute nachmittag vor meiner Tür zum Gartenschuppen!!!! Ganz ehrlich, das hätte ich nicht gedacht.

    • Frau Merkwürden
    • 12. März 2012

    …äh Grüße von der Tippfehlerqueen: bei mir wuchert alles munter vor sich hin und die Fläschen sind natürlich Flächen.
    Habe übrigens am Samstag Balkontomaten und Blumen angesät und die ersten Keimungen von Blumensamen bereits gestern verzeichnet.

    • wow, so schnell? Hammer. Bei mir hat auch schon einiges gekeimt, aber längst nicht so schnell. Hast deine Saatschalen auf der Fensterbank innen? oder draußen aufm Balkon? Ich hatte ja bislang alles unten im Schuppen, zwar frostfrei, aber eben kalt.

      Hihi, und es freut mich, dass ich den richtigen Kompostplatz gewählt habe, allerdings muss ich zugeben, dass das auch der einzige Ort war, der die Bedingungen erfüllte: Geschützt aber nicht vollschattig oder gar überdacht, hell aber nicht in der prallen Sonne… und dann sollte er ja auch noch optisch nicht das Zentrum des GArtens werden. Da ergab sich dann halt dieser Platz. Ich brauch wohl (hab ich gelesen) in so zwo bis drei Monaten nochmal einen, zum Umsetzen und dann in ruhe rotten lassen, der hätte dann daneben noch Platz. Brauch ich den zweiten wirklich?

    • Frau Merkwürden
    • 12. März 2012

    Also das mit dem Kompost hast du fein gemacht! Der Platz unter dem Ahorn ist auch super dafür.
    Zu den Mondphasen kann ich nur die Erfahrung meiner Eltern, die das 20 Jahre gemacht und wieder gelassen haben weitergeben, weil überhaupt kein Unterschied zu spüren war, außer dass man sich Stress macht wegen der Termine. Ich selbst habe noch nie so gegärtnert und bei wuchert alles unter vor sich hin.
    Das mit dem Schulsportplatz hast du gut gelöst finde ich, diplomatischer geht’s ja wohl nicht mehr. Im Zweifelsfall kauf ein Fahrradschloß.
    Und wenn du nochmal Hilfe im Garten brauchst wegen fläschenübergreifender Queckenbeseitung etc. dann rühr dich einfach! Du weißt ja, je mehr Hände, desto schneller ist die Arbeit erledigt…

    • Gisela vom Zwergenforst
    • 12. März 2012

    Och, dann warst das neulich doch nicht du auf dem Stadtmarkt? Da hat irgendjemand mit lockigen, braunen Haaren ganz konzentriert den Wirsing fotografiert, und ich dachte, wenn im nächsten Blog ein Wirsing-Bild auftaucht, dann bist es wohl du gewesen.

    • alexander köpf
    • 12. März 2012

    Bin ja mal neugierig auf den Praxistest, was die Mondphasen angeht. Meine Tante (Kleingärtnerin seit 52 Jahren) behauptet, sie hätte das alles durchprobiert und die Mondphasen hätten keinen Effekt auf das Wachstum des Saatgutes.

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