Schwarze Milch der Frühe…

ausgebrannte Mülltonne

Codex Alimentarius. Schon mal gehört? Ich kannte den Begriff nicht, ist mir nie untergekommen, allerdings habe ich im Studium die Neueste Geschichte nie besonders tiefgründig erkundet, war ja auch nur zweites Nebenfach. Trotzdem, ein Fehler, wie mir jetzt scheint. Denn dahinter scheint sich eine der größten Schweinereien EVER zu verbergen.

Ich erspar euch jetzt die Geschichte, über welche Umwege ich auf den Codex Alimentarius (C.A.) gestoßen bin, ich fange lieber gleich damit an, was sich hinter diesem Namen verbirgt.

Es handelt sich dabei um eine – mittlerweile wohl mehr als 5000 Seiten starke – Textsammlung, die von um die 20 verschiedenen (an manchen Stellen ist von 27 die Rede), sogenannten Expertenkommissionen laufend erweitert wird. Der Inhalt ist schon nicht mehr so einfach zu beschreiben, offiziell haben sich hier die WHO und die FAO zusammengetan und diese Expertenkommission gebildet, um internationale Standards in puncto Lebensmittelsicherheit und Produktqualität festzulegen. Schaut man beispielsweise auf der Website des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BmELV) nach, so erfährt man:

„Die Standards des Codex Alimentarius sind nicht rechtlich verbindlich. Ihre besondere Bedeutung haben sie durch ein internationales Abkommen im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) erlangt, gemäß dem sie als Referenz im internationalen Handel gelten und seitdem sie in den im Rahmen der WTO völkerrechtlich verbindlich geschaffenen Streitbeilegungsverfahren bei Handelskonflikten eine maßgebliche Rolle spielen.“

Hä, wie jetzt? Sind rechtlich nicht verbindlich… aber dann haben sie irgendwie doch besondere Bedeutung, und zwar durch ein internationales Abkommen im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) – also ist der Codex doch bindend, oder was?

Interessanterweise findet man beim BmELV keinerlei Textauszüge oder ähnliches, schon gar nicht auf deutsch (angeblich gibt es Teile auf Englisch, Spanisch, Französisch und Arabisch), lediglich eine Mitgliederliste (die aber dann nur das jeweilig zuständige Amt ausweist), ein Link zu häufig gestellten Fragen (in englischer Sprache! und nur verlogenes Blabla) sowie die Weiterleitung zum Beitrittsbeschlussder Europäischen Union im Jahr 2003, diese wiederum in Klammern überschrieben ist mit dem Hinweis „Nicht veröffentlichungsbedürftige Rechtsakte“. Hmm.

Die Suche nach Texten aus dem Codex Alimentarius ging weiter, wirklich richtig fündig bin ich nicht geworden, es gibt natürlich einen Wikipediaartikel auf deutsch, der ist aber in zwei Minuten gelesen, wechselt man dagegen zum Artikel in englischen Sprache, taucht erstmals ein Abschnitt zur Kontroverse um den C.A. auf. Darin beispielsweise der Satz: „It is reported that in 1996 the German delegation put forward a proposal that no herb, vitamin or mineral should be sold for preventive or therapeutic reasons, and that supplements should be reclassified as drugs.“ Der Satz stammt aus einem Artikel des britischen Guardian, vom 14. September 2002, und ich erinnere nur an vergangenes Jahr, als in letzter Sekunde eben genau dieses Ansinnen per Petition (vorerst, wie es gerade en vogue ist) gekippt wurde.

Und dann bin ich auf dieses Interview bei Alpenparlament.tv gestoßen, mit Dr. Gottfried Lange vom World Institut for Natural Health Sciences (winhs).  Demzufolge sollen die C.A.-Kommissionen „Regelungen und Gesetze zum Schutz des globalen Pharmamarktes durch[zu]setzen, die in allen Ländern der Erde Gültigkeit haben.“ Denn das ist der Subtext wenn dort von Gesundheit die Rede ist: das Wohl der Pharmaindustrie.

Kurze Anmerkung: Erinnern wir uns an ACTA. Eines der größten Probleme mit diesem Abkommen – weltweit gesehen – ist doch, dass dann unter anderem ganze Länder oder gar Kontinente schlichtweg vor die Hunde gehen würden, wenn sie auf die überteuerte Patentmedizin verzichten müssen weil sie schlicht nicht zu bezahlen ist, und gleichzeitig das Herstellen der lebensnotwendigen erschwinglichen „medizinischen Raubkopien“ kriminalisiert wird. Wie kann man sich so ein Verhalten gegenüber wahrhaft Bedürftigen anders erklären, als mit einer totalen Ignoranz der Folgen des eigenen Tuns zugunsten der Freude am materiellen Gewinn. Auch wenn Menschen zu hunderttausenden deswegen sterben werden. Empathielos. Soziopathisch. Kriminell. Und wenn man bedenkt, dass das ganze Seilschaften sind, die da drin hängen, dann kann man durchaus auch mafiös dazu sagen. Schaut euch den Beitrag an, auch wenn Dr. Lange ein klein wenig onkelig rüberkommt, denn ich kann das alles hier nicht wiedergeben.

Mir ging’s hinterher richtig schlecht. Er erklärt da ja auch was zur I.G. Farben und ihren jeweiligen Vorständen, die zwar bei den Nürnberger Prozessen wegen „Versklavung“ und ähnlichem zu m. E. ziemlich milden Strafen zwischen vier und acht Jahren verknackt wurden, dann aber aus der Haft vorzeitig herausgeholt wurden (!), weil man ja das Know How brauchte…

So, und jetzt erinnern wir uns auch nochmal kurz an diese Neuseeland Food-Bill Geschichte, wo es ja angeblich auch um „Food Safety“ und dergleichen ging, und dann geht’s gleich weiter, denn Know How ist das Stichwort, bei dem Bill Gates die Bühne betritt, zumindest bei mir hier, und hier inszeniere ich. [Und DER ist wirklich nur ein Beispiel, nicht der EINE, auf den man sich einzig und allein stürzen muss.]

Der (DER) hat nämlich schon vor längerer Zeit massiv investiert in GMOs (genetisch modifizierte Organismen), speziell in Monsanto. Und der spricht sich jüngst erst wieder massiv FÜR GMOs aus (angeblich wegen dem vielen schlimmen Hunger blablabla, dabei ist erst in der letzen Ausgabe des Stiftung Warentest Hefts der Aufmacher über Landraub. Und die Zusammenhänge zwischen GMO-Anbau, Landraub und Hunger sind nicht mehr leugbar. Die Areale sind nahezu identisch. In den Kommentaren ist der Hinweis, dass Bill Gates sowohl Anteile an der größten GMO-Samenbank hat, als auch massiv beteiligt ist an der größten GMO-freien Samenbank auf Island. !!!

Interessant, oder? Jetzt noch zur Abrundung das hier, aus dem Ithaka-Journal:

„Offenbar genügt es dem militärisch-industriellem Komplex der USA nicht, dass die europäische Viehbestände und Konsumenten mit Glyphosat über die importierten Futtermittel verseucht werden, sondern sie wollen, dass auch in Europa der Milliardenmarkt für Millionen Tonnen über die Maisfelder gesprühten Glyphosates in Gang kommt. Daher rief der ehemalige amerikanische Botschafter in Frankreich, Craig Stapleton, 2007 in einer kürzlich von Wikileaks veröffentlichten Botschaftsdepesche zu Vergeltungsmaßnamen gegen die europäische Landwirtschaft auf. Nur so könne die EU vor weiteren Verboten genetisch modifizierten Saatgutes abgehalten werden. Wörtlich schrieb er: „Die Landesgruppe Paris empfiehlt, dass wir eine Liste gezielter Vergeltungsmaßnahmen erstellen, die quer durch die EU schmerzhafte Folgen verursachen, denn schließlich handelt es sich hier um einen Fall kollektiver Verantwortung. Die Liste soll insbesondere auf die schlimmsten Schuldigen abzielen. Die Liste sollte eher maßvoll als wirklich grausam sein und vor allem langfristig wirken, denn ein schneller Sieg ist nicht zu erwarten.“

(Hervorhebung is von mir) Hier die Wikileaks-Dokumente:

Ich sag mal so: ich addiere jetzt noch die neueste Geschichte da mit Neuseeland hinzu, und ich glaub nich mehr an den Weltverschwörungsvorwurf… denn das IS eine!

Denen sind wir scheißegal. Wichtig is nur, dass sie mehr haben. Am besten mehr als jeder andere. Hier noch ein erhellendes Video:

und zur Abrundung auch noch das hier:

to be continued…

[UPDATE]

Ein Link zu einer Facebook Seite (englisch)zum Codex befindet sich HIER.

Eine deutsche Facebook Seite gibts auch: HIER.

Textauszüge in deutsch HIER.

Und HIER eine Seite (auch englisch) zu Kampagnen gegen die Codex-Bestrebungen.

Und HIER die Seite, auf der man verschiedene Texte (auch in englisch, manchmal auch französisch oder spanisch) des Codex Alimentarius abrufen kann.

Und hier noch eine Umfangreiche Seite der Natural Health Federation.

Und dann noch HIER ein Artikel, der sich kritisch mit einem Hauptkritiker (Dr. Laibow) des Codex auseinandersetzt.

Und damit alles seine Richtigkeit hat: Die Überschrift ist der Anfang der Todesfuge von Paul Celan, das Foto ist von mir (CC BY SA).

 

  1. Excellent post however I was wondering if you could write a litte more on this
    subject? I’d be very grateful if you could elaborate a little bit more. Appreciate it!

    • alexander köpf
    • 28. Februar 2012

    • alexander köpf
    • 28. Februar 2012

    Monsanto ist die übelste Bedrohung der Menschheit. Je mehr ich mich mit diesem Thema befasse, desto mehr bekomme ich Angst. Da beginnt der Mad Scientist Horrorfilm real zu werden. Denn am Ende steht nichts anderes als die Weltherrschaft durch völlige Kontrolle der Nahrungsmittel-Kette. Und es ist auch erschreckend, wie wenig die meisten Leute darüber wissen. Und daß Leute wie Bill Gates da investieren, zeigt doch nur, wo die die „Wachstumsmärkte“ der Zukunft sehen. Ihre wissenschaftlichen Versuchsfelder auch in Deutschland sorgen doch schon jetzt dafür, daß „normal“ angebaute Nahrungsmittel bereits von ihrem genmanipuliertem Scheiß durchkreuzt werden. Es gibt da auch eine eindrucksvolle Schnittmengen-Grafik, die zeigt, wieviele von Monsanto bezahlte Lobbyisten bereits jetzt als Spin Doctors für die US amerikanische Regierung arbeiten. Das ist echt gruselig.

  2. this means war!
    dass es immer wieder auseinandersetzungen bezüglich zöllen und einfuhr und ausfuhr von dies und jenem gab und gibt zwischen der EU und der USA, ist nichts neues oder gar verwunderlich. dass die USA den internationalen gerichtshof immer wieder boykottieren und damit eine internationalen rechtsprechung ausschalten, wohlbekannt. dass monsanto alles und jedes lebewesen, pflanze, organismus in „eigentum“ verwandeln wollen, erschreckend genug. aber wenn die vom anderen ufer des atlantiks jetzt au no planen, mir wortwörtlich zeuch in die suppe zu spucken, wird es zeit, dass man sich mobilisiert.
    stoppt diese menschenverachtende gier!

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