Wieviel Boycott macht Sinn?

ehemaliges Rotebeeterisotto mit Pesto

Bei meinem allmorgendlichen Kaffee-Parcours durch die online-Nachrichten streife ich auch ab und zu die örtliche Tagespublikation. So auch heute. Ich erfuhr unter anderem, dass für den 1. März 2012 zu einem Tankboycott aufgrund der hohen Benzinpreise aufgerufen wird. Meine ersten Gedanken: Was für ein Blödsinn, dann tanken halt am 2. März doppelt so viele – außerdem trifft es doch eh nicht die, die man eigentlich treffen will, sondern die Tankstellenpächter, die ja bekanntermaßen kämpfen müssen und via Getränke, Tabak und Convenience-Food (und auch: schlechte Löhne für ihre Angestellten) ihr Auskommen gerade mal so sichern.

Und da kam mir ein anderer Boycott in den Sinn, über den mich Freund Fritz in seinem Blog informiert hatte, der schwarze März 2012,  der auf einen Monat Konsumverweigerung in puncto Medien (physisch und digital) setzt, um eine deutlich sichtbare Delle in der Umsatzkurve zu generieren.

Ist es da nicht das gleiche Spiel? Sind da nicht auch die Falschen die Leidtragenden? Kleine Kioskbesitzer beispielsweise, kleine Programmkinos, Miniverlage, Bands… Vielleicht sollte man eher überlegen, wirklich nur konkret die großen Medienkonzerne von der persönlichen Ausgabenliste zu streichen. Setzt natürlich voraus, dass man sich informiert. Einfacher ist da sicherlich – wenn man schon am März-Boycott teilnehmen will – einfach gar nichts zu kaufen und hinterher wie gehabt weiter zu machen. Aber macht das Sinn?

Ich meine nein. Ich befürchte sowieso, dass die Delle nicht mal besonders groß ausfallen wird; Ich glaube, dass nur eine dauerhafte Verhaltensänderung, was Konsum generell angeht, überhaupt etwas bewirken kann. Wenig Fleischverzehr, dafür aber besseres Fleisch kaufen (wenn man nicht drauf verzichten will oder kann), kein Gemüse aus Ländern, die nachweislich die Richtlinien und Beschränkungen für den Einsatz von Giften mit Füßen treten, Konsumverweigerung auf einer größeren Ebene, hinter der die Frage steht: Brauche ich das wirklich, oder schmeiße ich es Übermorgen wieder weg?

Oder eben man beschließt für sich, dass die Leute, deren Unternehmen und Betriebe bei so einem Boycott eventuell drauf gehen, dann halt eben Pech gehabt haben. Falsches Betätigungsfeld gesucht, mit den falschen Branchen in Verhandlung, tja.

Aber halt, ich hab hier noch einen interessanten Vorschlag gefunden: Bunter März statt Schwarzer März. Carsten Dobschat schlägt folgendes vor:

Warum also nicht statt dem „Schwarzen März“ einen „Bunten März der Neuentdeckungen“ veranstalten? Statt zu boykottieren einfach mal neues entdecken! Schaut Euch mal abseits der Kaufempfehlungen bei Amazon und iTunes um, schaut  Euch doch mal bei Jamendo nach freier Musik um! Schaut mal abseits der bekannten Pfade nach neuen Büchern, neuer Musik… guckt mal, was so an Konzerten in kleinen Läden bei Euch in der Nähe stattfindet und geht einfach mal auf gut Glück auf ein Konzert! Sucht bei Google mal nach Bands aus Euerer Umgebung, wer weiss wie viele grandiose Musiker sich praktisch direkt vor Eurer Haustür den Arsch abspielen, ohne dass Ihr davon etwas mitbekommen habt? Wann wart Ihr das letzte Mal bei einem Konzert einer Band, die Ihr vorher nicht kanntet? Klar, man kann dabei echt daneben liegen, aber es kann auch mal ein echter Volltreffer dabei sein.

Seine Idee geht noch weiter (das Lesen des gesamten Blogeintrags lohnt sich) und ich finde den Vorschlag ausgezeichnet. Und das beste ist, er lässt sich nicht nur mühelos mit einem Medienboycott der Unterhaltungsriesen verbinden, man kann diese Vorgehensweise auch auf längere Zeit ausdehnen.

Und im Bezug auf den Tankboycott, was wäre denn da eine gute Alternative? Überprüfen, ob man nicht auch ohne Auto klarkommt, logo, das schon mal auf jeden Fall. Weitere Vorschläge? Was haltet ihr überhaupt von den beiden Boycotts, können ja auch zwei verschiedene Meinungen dazu sein.

    • alexander köpf
    • 24. Februar 2012

    ich geb dir völlig recht. wobei das eigentlich so profan ist, daß mir mal wieder schmerzlich bewusst wird, wie dumm selbst die angeblich konsumkritische masse ist. da schreibt zum beispiel der gute helge schreiber ein vielbeachtetes buch (network of friends) über hardcore. und was machen die deppen? – bestellen es bei amazon statt bei x-mist oder plastic bomb. dabei könnte es so einfach sein: lass die konzerne IMMER links liegen und unterstütze die kleinen.

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