Ein gigantisches Geschenk der 99 Prozent an den miezikleinen Rest

Gestern sehr spät am Abend bin ich noch über etwas gestolpert, das mich zum einen fasziniert, zum anderen verärgert hat. Der Virgin Group Gründer, Inselbesitzer (ja, tatsächlich eine von den britischen Virgins) und geschätzte 4,2 Milliarden Dollar (netto!) schwere Richard Branson hat Vorgestern den weltersten Spaceport, Virgin Galactic, eröffnet. Wobei eröffnet eigentlich nur halb zutrifft, denn der Flugbetrieb in knapp außeratmosphärische Höhen wird vermutlich erst gegen Ende 2012 aufgenommen. Das Ding sieht gut aus, immerhin das ist ein Trost für die amerikanischen Steuerzahler, die den Spaceport America im südlichen New Mexico finanziert haben.

So. Und hier jetzt ein wenig Mathe. 209 Millionen Dollar hat das Ding angeblich gekostet. Kommt mir fast ein wenig arg wenig vor, aber nehmen wir diese Zahl mal als gegeben. 450 Personen haben bereits ein Ticket für so einen Flug, der wie gesagt gerade mal an der Oberkante der Atmosphäre kratzt. 200 000 Dollaronen kostet laut Wikipedia ein Ticket – dazu kommt eine Kaution von 20 000 Dollar pro Person (wofür eigentlich? falls jemand über Gebühr während des Fluges Albatrüffel nascht?), ich gehe jetzt aber mal davon aus, dass eine Kaution im Normalfall wieder zurückgegeben wird – das macht also für die ersten – schon mal sicheren – Fluggäste einen Umsatz von 90 Millionen Dollar. Umsatz wohlgemerkt. Nicht Gewinn.

Jetzt frage ich mich erstens, wieviel mehr Leute gibt es, die sich ein Ticket holen könnten? Maximal dieses berühmte eine Prozent der US-Bevölkerung; wie gesagt maximal, da man davon ausgehen kann, dass auch unter denen Menschen sind, die zu jung oder zu alt sind, denen das zu lahmarschig ist, die unter Flugangst leiden oder schlicht nicht interessiert sind. Zweitens frage ich mich, wie man das den amerikanischen Steuerzahlern vermitteln soll (vermutlich gar nicht), dass sie für etwas gezahlt haben, das ihnen im Ergebnis zu 0 Prozent zur Verfügung steht. OK, sie können hinfahren und sich das Gebäude und eventuell sogar die Flugzeuge ansehen, damit fliegen können die meisten bei diesen Preisen wohl nicht. Aber warum nimmt man dafür überhaupt Steuergelder, Branson is reich wie sau, 209 Millionen sind für den doch ein Klacks.

Aber was ich mich schon die ganz Zeit frage, wann soll sich das Ding denn tragen? Kann es das überhaupt jemals? Ich kann es mir nicht vorstellen. Gedanken dazu? Irgendjemand?

[via]

    • Dennis
    • 21. Oktober 2011

    Hi tinitussi, yeap it’s me.

    Die eine neue Startbahn in Frankfurt hat 600 Millionen Euro gekostet – eben in den Nachrichten und da: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/lufthansa-und-fraport-geraten-aneinander-schatten-ueber-neuer-landebahn-in-frankfurt-11496632.html

    Da arbeitet Branson schonmal wesentlich effizienter. Es ist völlig legitim, dafür die paar Kröten Steuergelder abzuziehen, da New Mexico das ruckzuck an Salestax (zwischen 5 und 8%) wieder drin hat. Branson wird da mittelfristig wesentlich mehr Einnahmen generieren als New Mexico investiert hat.

    Ich gehe davon aus, dass die Preise nach abgeschlossener Entwicklung, die sicher Milliarden verschlungen hat, nach unten purzeln werden, und sich Space Tourismus zum Massenphänomen entwickeln wird. New Mexico hat da einfach clever investiert, und keinesfalls Steuergelder verschwendet. Das ist kluge Standortpolitik. Versucht haben das einige, unter anderem der DOOM Entwickler – kein Witz. Aber die kriegen das in den nächsten 5 Jahren nicht gebacken, Branson schon. Der will weiterhin in den nächsten Jahren Milliarden in erneuerbare Energien investieren und finanziert auch diverse non-profit Projekte, siehe Wikipedia. Daher find ich den Mini-Zuschuss den New Mexico zahlt völlig legitim, das springt 10* wieder raus.

    Der Typ hat sein ganzes Vermögen investiert und schafft ne Menge Arbeitsplätze mit sinnvollen, zukunftsweisenden Projekten. Andere Milliardäre machen nur unnütze Spekulationsgeschäfte, zum Beispiel mit Agrarrohstoffen und bunkern ihr Geld auf den Bahamas.

    Ich find das was er tut politisch völlig in Ordnung, unternehmerisch brilliant, und für die Umwelt engagiert er sich auch noch dicke.

    Grüße,
    Dennis

    • Hast Recht.

      Ich nehm zurück, dass er das selber hätt blechen können.

      Und das is echt wenig Asche—-. Wahrscheinlich waren die 209 mio nur der SteuerZUSCHUSS, und den Rest ( hüstl .. REST) hat Branson drauf gelegt. Ich mein, schau dir mal das Gebäude an. Und den andern Schmarrn, wie Start- und Landebahn..

      Also da hast auch Recht.

  1. OK, Dennis: (DER Dennis den ich kenne, btw? Erkennungslosung: „Faust Gottes“?)

    200 000 Dollar sind eine definitiv Menge Geld für die allermeisten Leute. Du hast völlig recht mit deiner 3 Zimmer Wohnung in Muc, aber das ist in diesem Fall doch kein Argument. Schön, dass Du so begeistert bist und dir vermutlich das mal nebenbei leisten kannst/magst. Neidlos gestehe ich: Hätte ich die Möglichkeit, ich würde sofort einsteigen, auch wenns nur darum geht mal für einen mehr oder weniger kurzen Moment richtig Schwarz zu sehen und die Erde von außerhalb der Atmosphäre zu betrachten.

    Zudem habe ich jetzt in Erfahrung gebracht, dass Branson wohl tatsächlich vor hat, seine Preise nach und nach so zu gestalten, dass auch Leute wie beispielsweise ich die Möglichkeit hätten, auf so einen Flug zu sparen, und das nicht ein Leben lang. Aber das bleibt abzuwarten, denn Absichtsbekundungen sind nun mal … ja, eben Absichtsbekundungen. Und noch keine Taten.

    Noch zur „Goldgrube“: Die 209 Mio $ sind wohl einzig für das Gebäude verwendet worden. Deshalb kam mir das so wenig vor. Branson finanziert anscheinend den kompletten Fuhrpark selbst. Das sind Kosten, die zumindest ich mir vermutlich nicht mehr vorstellen kann, denn die beiden Fliegertypen mussten ja erst einmal geplant und entwickelt werden; Das kann gaaaanz schön lange dauern, bis diese Kosten wieder drin sind. Dazu der laufende Betrieb, der auch nicht kostenfrei ist… Auch wenn ich die Idee noch so toll finde, ich seh da ehrlich gesagt nicht so schnell den Punkt kommen, wo alle Kosten drin sind und evtl. noch Gewinn übrig bleibt. Wie schon gesagt, ich habe in diesem Punkt Zweifel.

    Und, Desdedentro: Bitte Konkreter. Ich kann mit der Bemerkung leider nichts anfangen.

  2. hmm, ich bin im moment zu betrunken um nachzusehen ob ich mich da mit den Übersetzungen vertan hab… wie gesagt 209 Mio für Baukosten kam mir wenig vor, hab aber zugegeben keine Ahnung. Hab ich vllt 200000 mal 450 falsch gerechnet? hilfe. Das sind doch 90 000 000 .

    Egal. morgen.

    Und Dennis: Klar is das geil. Aber darum gehts doch nich. Warum stellt der das Ding nich selber hin? Die Goldgrube auf seine eigene Rechnung. Das frag ich mich.

    • desdedentro
    • 20. Oktober 2011

    Wenn wir Millionen, Milliarden und Billionen nicht mehr auseinanderhalte können, will noch jemand über Rentabilität reden?😉

    • Dennis
    • 20. Oktober 2011

    Die NASA ist ne Geldverschwendung, paar bunte Bildchen von fernen Galaxien, da hat doch keiner was davon. 200 000$ ist gar nichts für nen Flug ins All, dafür bekommst in München nichtmal ne 3 Zimmer Wohnung. Und jeder Tag Krieg im Irak kostet die Amis mehr als dieses tolle Projekt. Ich find das jedenfalls supercool. Hoffentlich macht der noch mehr so tolle Sachen.

    • Dennis
    • 20. Oktober 2011

    Das Ding ist ne Goldgrube und die Idee der Hammer. Branson ist selfmade Milliardär und ich find das spitze.

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