„Sie sind zweifellos der schlechteste Pirat, von dem ich jemals gehört habe.“ – „Aber Sie haben von mir gehört“

Schon wieder ein Piraten-Artikel. Ihr seht, das Thema brennt mir auf den Nägeln. Das liegt sicherlich zum einen daran, dass es die Piraten geschafft haben, mich zu einem Menschen zu machen, der sich wieder gerne für Politik interessiert – und nicht nur das. Es wird das passieren, was nie in dieser Form von meiner Seite aus vorgesehen war: Parteieintritt. Ich werde Pirat. Mitgliedsantrag is schon gestellt, hab ich sofort gemacht, als ich mich durchs gesamte Parteiprogramm gelesen hatte. Und es ist mir völlig ernst damit.

Die Auslöser dafür sind aber weitaus vielfältiger. Die Entscheidung ist ein Konglomerat aus vielen Gründen, zu denen sicherlich auch in nicht unerheblicher Weise zählt, dass einer meiner allerbesten Freunde Fritz Effenberger heißt. Trotzdem wäre das noch nichts, was mich veranlassen würde, in eine Partei einzutreten. Ich gestehe, dass es hauptsächlich die anderen waren, die mich über diesen Schritt nachdenken ließen. Die Grünen beispielsweise, die ich früher jahrelang und gern gewählt habe. Oder die taz, die ich als junge Erwachsene damals auch ganz gern in die Hand nahm. Und jetzt? Entäuschen mich sowohl taz als auch Grüne. Beide benehmen sich zu weiten Teilen höchst arrogant bis teilweise gönnerhaft, was die Einschätzung der Piraten angeht. Und da liegen zumindest diese beiden Gruppen meines Erachtens schon sehr weit daneben.

Ein gängiges Vorurteil, das sich jetzt im Nachfeld des Berliner Wahlerfolgs der Piraten gezeigt hat, lautet: Piratenwähler sind jung, männlich und vor allem dagegen. Ich bin weiblich, über 40 Jahre alt und vor allem dafür, dass Politik transparenter und bürgernäher wird. Und endlich all diese unsinnigen Bestimmungen verschwinden, die dem Missbrauch politischer Ämter Tür und Tor öffnen und lediglich dazu dienen, dass man sich als vermeintlich politisch aktiver Mensch möglichst in eine Position bringt, von wo aus man eines schönen Tages in ein Amt gespült wird, das maximales Honorar bei minimalem Arbeitsaufwand verspricht.

Und genau das ist meines Erachtens ein paar mal zu oft mit den Grünen passiert. Die haben sich zu sehr eingekuschelt ins bestehende System. Is natürlich auch schwer, da zu widerstehen. Da sitzt man plötzlich zumindest in der Nähe irgendeiner Machtzentrale und soll sich so aufführen wie zuvor? Und am Ende den Rausschmiss riskieren? Nee. Man will ja was bewirken. Also heißt es: schön festhalten am Sitz, auch wenn die Fahrt mal ziemlich schnell rückwärts geht.

Ich hoffe so inständig, dass den Piraten nicht wiederfährt, was die Grünen so mürbe gemacht hat. Am liebsten wäre mir, dass die Piraten außerparlamentarische Opposition blieben. Aber echte Mitbestimmung wäre so wohl nicht hinzukriegen. Dafür Bürgernähe. Beziehungsweise, wenn man Bürger bleibt, dann kann man sich gar nicht so sehr davon entfernen. Gefährlich wird wie gesagt schon eher der Einzug in ein Berufspolitikertum. Viel zu schnell, hat man das Gefühl, entfernen sich diese Leute von den Sorgen, Nöten und Zwängen der ganz normal bis wenig Verdiener.

Wird sich alles zeigen. Aber für heute möchte ich einfach all den anderen danken. All jenen, welche die Piraten runterschreiben, diskreditieren oder gar wissenschaftlich widerlegen wollen. Wer weiß, wenn die Allianz der Arroganzlinge nicht so penetrant die Mär vom schlechten – weil inhaltslosen – Piraten verbreitet hätte, dann hätte ich es eventuell auch nicht für nötig befunden, für mich persönlich so deutlich Stellung zu beziehen. Danke! Ihr habt mir wirklich sehr geholfen.

Ach ja, kleine Anmerkung zum Bild oben: Ich glaube ich weiß jetzt, warum Berlin immer noch so attraktiv ist für manche. Die haben da Tele-Internet. TELE-Internet. Nicht einfach bloß Internet, wie wir hier. Sondern noch weltweiter. Verdammt.

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