Reizwortgeschichte: Sklavenhändler, Bänker, Rotlichtviertel!

Straßennamen bieten ein Sammelsurium an Blumen, Bäumen, Orten oder Menschen. Bei letzteren soll an die großen, vergangenen Geister der nationalen wie lokalen Geschichte erinnert werden, um zumindest im passiven Gedächtnis der Gegenwart weiterzuleben. Oft hat man keine Ahnung, wer sich dahinter verbirgt. Hindenburg, hmm war das nicht dieser alte Dackel, der…ach ich weiss nicht mehr. Und dann geht man weiter und hat es schon wieder vergessen.
Jede Nation hat ihre Helden. Beinahe jedes italienische Städtchen schmückt sich mit einer Mazzinistraße oder einem Cavourplatz (Helden des italienischen Risorgimento). Bei den Deutschen sind Goethe und Schiller ganz oben in der Liste. Auch wenn bei Monopoly gleich das Gefängnis nebenan wartet (ein Schelm, wer böses denkt!).
Ganz andere Verdienste werden dagegen in den Avenuen oder Wegen in Bordeaux geehrt. Klangvolle Namen von Sklavenhändlern (Eignern und Kapitänen von Sklavenschiffen) des 18. Jahrhunderts sind dort zu finden, unter anderem Pierre-Baour, Rue Francois-Boncafé oder Place John-Lewis-Brown. Wer erinnert sich nicht gern daran, wie tausende afrikanischer Menschen verschleppt, gefoltert, getötet und zur Zwangsarbeit mißbraucht wurden? Schlächter und Mörder, Persönlichkeiten des rotweintrunkenen Bordeaux? Und wie war das nochmal mit Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit? Gilt scheinbar nicht für Frankreich. Peitsch!

In Liverpool war man schon einen Schritt weiter, naja fast. Der dortige Stadtrat gab 2006 eine  Straßennamenflurbereinigung in Auftrag. Wie in Bordeaux  prangten von den Schildern stolze Namen verdienter Sklavenhändler, worauf der Stadtrat sich schnell zu Namensänderungen entschied. Doch war jene berühmte „Penny Lane“ aus dem Beatles Song ausgerechnet nach James Penny benannt, der – Oh! Wunder – sein Geld ebenfalls mit der Verschiffung Leibeigener verdiente. Verdammt noch eins! Sklavenhalter gegen nationales Kulturgut. Wer da wohl gewinnt? Peitsch!  Die Liverpooler Honoratioren tauschten alle anderen Straßennamen aus, beließen jedoch „Penny lane“.

Nicht nur die Herkunft des Straßennamens ist tückisch, sondern auch, was man damit verbindet. So residiert die EZB in Frankfurt in der Kaiserstraße 29. Per se nichts verwerfliches. Doch ist es auch die Hauptmeile  des Frankfurter Rotlichtviertels mit Stripbars, Dildoläden und Straßenstrich. Im phallischen Wolkenkratzer des Bankhauses wird das Geld gedruckt und nur 100 Meter weiter als Schmiermittel für sexuelle Dienstleistungen umgesetzt. Und, wen wunderts, ein Franzose führt den Laden! Die Kaiserstrasse erklärt das Prinzip des Kapitalismus. Geld undAusbeutung gehen dabei Hand in Hand. Nur wird die Sklaverei heutzutage „humaner“ verpackt.  Wäre doch eigentlich der perfekte zeitgemäße Anschauungsunterricht für Schulklassen!
Immerhin haben die Euro-Hüter in der Finanzkrise nicht soviel Monopoly an der Börse gespielt als anderswo. Vielleicht war ja ein Grund die rote Aussicht, die wohltuende Peitsche einer Domina oder ihnen war klar, dass die Gefängnisse in Deutschland nicht so weit weg waren?
Liegts am Strassennamen, der hohen Miete oder an der knapp bekleideten Damenwelt vor dem Haus, die EZB sucht Solidität und zieht um. Der neue Skytower für die Bänker im Frankfurter Ostend schmiegt sich an die Oskar-von-Miller Straße. Geschafft: Der Adelige war Begründer des Deutschen Museums in München. Wegen ihm wurden nur unzählige Schulklassen in jenen Bau des Wissens und der Experimente gepeitscht.

    • snickerzisback
    • 6. Januar 2011

    So, habe meine Pflicht und Schuldigkeit getan!

    {Orrdokravieh und Kram-attic gepflegt!
    Trotzdem,…
    das moderne Sexarbeiterdasein mit dem Sklaventum zu vergleichen will mir nicht gefallen. Lass‘ Dich da mal aufklären von Kennern des Milieus.}

    Der Mohr kann gehen.

      • lulumsi
      • 6. Januar 2011

      Snick, bist du ein Kenner?;)
      Nichtsdestotrotz gibt es immer noch und immer wieder Zwangsprostitution…das hat meiner Meinung nach ganz viel mit moderner Sklaverei zu tun! (Einmal „Lilija-4-ever“ anschauen..!)

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