Quo vadis, Helvetia?

Asterix kam zu den Helvetiern, die für ihre exzessiven Käsefondueorgien bekannt waren. Drei Mal konnte man sein Brotstückchen im großen Kessel mit dampfenden heißen Käse verlieren, ansonsten gabs eine saftige Strafe. Die Schweizer gut 2000 Jahre später sind da noch viel strenger geworden. Gerade haben sie ein Gesetz verabschiedet, bei dem Ausländer automatisch abgeschoben werden können – und das, wenn man nur einmal sein Brotstückchen verliert! Darunter fallen zum Beispiel Mord, Vergewaltigung, Einbruch, aber auch der missbräuchliche Bezug von Sozialleistungen. Irritierend ist nur, dass die Eidgenossen so konsequent gegenüber Nicht-Schweizern sind, aber so herrlich inkonsequent gegenüber ihren Landsmännern. Denn Korruption existiert im Land von Wilhelm Tell nicht, und wenn, dann wird sie einfach unter den Teppich gekehrt; offensichtlich sind das lediglich Brotkrümel. Einer von diesen Abfällen ist der Schweizer Sepp Blatter – Chef des FIFA Exekutivkomitees, das die Vergabe der Fußballweltmeisterschaften regelt. Das wichtigste Sportevent der Welt.

Nun plättet der Blatter den Weg frei, dass nach der Affäre um Bestechungen von Mitgliedern des Wahlkomitees die Fußball WM 2018 ausgerechnet nach Russland geht. Das ehemalige Zarenreich, das Demokratie vorgibt und Autokratie lebt, rangiert auf dem Korputionsindex auf Platz 154 von 178 Ländern. Zumal die Aussichten für einen Anstoß in Moskau vor der Abstimmung schlecht standen, weil Stadien neu gebaut werden müssten und die Entfernungen zwischen den Austragungsorten zu groß seien. Das hat doch ein Geschmäckle! Auch die Vergabe der WM 2022 nach Kartarrh – Verzeihung, natürlich heißt es Katar – scheint doch mehr den Petrodollars geschuldet, als dem Fußball für die Fans. Warum das alles so locker flockig geht, ohne einen Hauch von Aktionismus: In der biederen Schweiz, deren höchstens Gut Vertrauen und Stillschweigen ist, verschließt man gern die Augen. Geschäftliches „Blinde Kuh“ wird zwischen den Bergen gespielt, da ranghohe Funktionäre von in der Schweiz ansässigen Sportverbänden wie der FIFA, der UEFA oder dem IOC  bei Korruptionsverdacht derzeit nicht mit Strafverfolgungen rechnen müssen. Es steht einfach nicht im Gesetzbuch – praktisch, faktisch, Toblerone!

Die Freiheitsstatue verkündet „Gebt mir eure Müden, eure Armen…“. Das Matterhorn strahlt dagegen ein “ Gebt mir euer blutiges Geld und ein paar politische Asylanten“. Bekannte Flüchtlinge, die ihr Heil zwischen Basel und Genf suchten, waren unter anderem Alexander Solschenizyn oder Charlie Caplin.  Doch nun kommt ein neues Schwergewicht auf die Schweiz zu. Julian Assange, Gesicht von Wikileaks, beabsichtigt Asyl zu beantragen. Derzeit jagt die ganze Welt den blonden Australier auf den Osama bin Laden mehr als eifersüchtig sein dürfte. Mit ein paar privaten Politikerdetails hat er wohl mehr Wirbel erzeugt als der islamistische Langbart in den vergangenen fünf Jahren. Wie wird die Schweiz mit Assange verfahren? Ist das Ausplaudern von politischem Klatsch – was anderes macht das „Goldene Blatt“ über die adelige Bussi- und Dünkelgesellschaft ja auch nicht – überhaupt im Bergmassiv erlaubt? Oder wird er als Ausländer gleich abgeschoben, wie es das neue Gesetz nun vorschreibt ? Bei Asterix wurde der Verlust des Brotstückchen damit gesühnt, dass die Verlierer mit einem Gewicht an den Füßen im Genfer See versenkt wurden. Vielleicht besinnen sich die Schweizer auf alte Tugenden und Assange dürfte bald absaufen. Sepp Blatter, der Spitzbub, wird ihm  vom Ufer aus lächelnd zuprosten.

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