Mit der Schrotflinte gegen Palin

Manchmal ist es ein Kreuz mit der Fiktion und der Realität. Bei den ersten Kinoführungen der Gebrüder Lumière im Jahr 1895 bekamen die Zuschauer Angst vor einem heranfahrenden Zug auf der Leinwand. Manchmal verschmelzen Fiktion und Realität, dass man im wahrsten Sinne des Wortes zurückfeuern muss. Bei den ersten Kinoaufführungen in Arabien schossen die Beduinen mit ihren Gewehren auf knallende Cowboys, die auf einem aufgespannten Leintuch ritten. In Null komma nichts war die vermeindliche Gefahr abgewendet, die Angst verflüchtet und der Adrenalinpegel wieder gesunken. Und manchmal ist die Realfiktion so grausam, dass trotz der Gegenmaßnahmen der Schalter einfach umgekippt bleibt.

Im Hier und Jetzt: Steven Cowan, ein verheirateter 67-jähriger US Bürger, wurde kurzzeitig zum Beduinen, blieb aber ein tobender Vulkan. Was brachte den guten Mann zum Ausbruch? Er sah im TV die Sendung „Dancing with the Stars“, bei der Bristol Palin mit ihrem Partner übers Parkett hupfdohlte. Die 20-jährige Tochter von Sarah Palin schwenkte ihre Schinken so fürchterlich, dass Cowan mit seiner Schrotflinte  – nicht mit einer „Pistol“ – auf Bristol im Fernseher schoss. Dabei schrie er „verdammte Politik“ und verfluchte den Tanzstil der jungen Frau. Man möchte meinen, Gefahr gebannt, Palin ausgelöscht – zumindest auf dem Schirm – und alles wäre wieder ruhig. Doch der Heißsporn mit dem Hang zum Abzug verlangte weitere Waffen. Seine Frau floh und alarmierte die Polizei. Die konnten den Palin-Hasser erst nach 15 Stunden in Gewahrsam nehmen, da er sich zuvor in seinem Haus verschanzt hatte.

Manchmal ist es einfach ein edler Tropfen, der das Weißweinglas zum Überlaufen bringt oder ein banaler Verkehrsstau in der Hitze von L.A. . Im Film „Falling down“ mit Michael Douglas alias William Foster passiert genau das. Er steigt aus seinem Wagen aus und läuft ohne moralische und äußere Sicherungen marodierend durch ein Vorstadtviertel. Dabei deckt er viele soziale Missstände aus der Sicht eines White-Trash Mannes auf. Steven Cowan und Foster sind also Blutsbrüder im Geiste. Fiktion und Realität tanzen miteinander – oops! Am Schluss des Films wird Douglas genauso wie im wahren Leben der Palin-Hasser von der Polizei gefasst. Die Wirklichkeit hatte nur den bitteren Nachgeschmack für Cowan, dass nämlich Bristol Palin die nächste Runde trotz seines heldenhaften Einsatzes gegen schlechte Tanzkünste und Politikheuchelei erreichte.

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